Objektpermanenz
Objektpermanenz (auch Objektkonstanz genannt) bezeichnet die Fähigkeit eines Kindes zu verstehen, dass Gegenstände und Personen weiter existieren, auch wenn es sie gerade nicht sieht, hört oder fühlt. Dieser Meilenstein der frühkindlichen Entwicklung wurde vom Entwicklungspsychologen Jean Piaget beschrieben und ist eine zentrale kognitive Leistung im ersten und zweiten Lebensjahr.
Was ist Objektpermanenz?
Objektpermanenz ist die Einsicht, dass ein Objekt fortbesteht, selbst wenn es aus dem Wahrnehmungsfeld verschwindet. Ein Säugling ohne dieses Verständnis denkt nach dem Prinzip „aus den Augen, aus dem Sinn": Wird ein Spielzeug zugedeckt, ist es für ihn nicht mehr vorhanden. Mit zunehmender Reife begreift das Kind, dass das Spielzeug unter der Decke weiterhin existiert und gesucht werden kann. Diese Fähigkeit bildet die Grundlage für Gedächtnis, Vorstellungskraft und symbolisches Denken.
Wann entwickelt sich die Objektpermanenz?
Nach Piaget entwickelt sich die Objektpermanenz schrittweise in der sensomotorischen Phase. Erste Anzeichen zeigen sich etwa ab dem vierten bis achten Monat, wenn ein Baby nach einem halb verdeckten Gegenstand greift. Zwischen dem achten und zwölften Monat sucht das Kind aktiv nach vollständig versteckten Objekten. Vollständig ausgereift ist die Objektpermanenz meist mit etwa 18 bis 24 Monaten, wenn das Kind auch unsichtbare Ortswechsel eines Gegenstands gedanklich nachvollziehen kann.
Objektpermanenz und Bindung
Die Objektpermanenz hängt eng mit der emotionalen Entwicklung zusammen. Sobald ein Kind versteht, dass auch Personen weiterexistieren, wenn sie den Raum verlassen, beginnt häufig die Phase der Trennungsangst: Das Baby weiß nun, dass Mama oder Papa zwar fort, aber noch vorhanden sind und protestiert gegen die Trennung. Eine sichere Bindung hilft dem Kind, diese Erkenntnis emotional zu verarbeiten und Vertrauen aufzubauen, dass die Bezugsperson zuverlässig zurückkehrt.
Objektpermanenz in der Kita fördern
In Krippe und Kindergarten unterstützen Fachkräfte die Objektpermanenz spielerisch. Klassische Guck-guck-Spiele oder das Verstecken von Gegenständen unter Tüchern trainieren das Verständnis für die Beständigkeit von Objekten. Auch eine behutsame Eingewöhnung mit festen Ritualen und vertrauten Gegenständen gibt dem Kind Sicherheit, weil es lernt: Was verschwindet, kommt wieder.
Praktische Beispiele und Spiele
Geeignete Spiele sind etwa das Verstecken eines Spielzeugs unter einer Decke und gemeinsames Wiederfinden, das beliebte Kuckuck-Spiel mit den Händen vor dem Gesicht oder Fallen- und Aufhebespiele, bei denen das Kind beobachtet, wohin ein Gegenstand verschwindet. Bilderbücher mit Klappen, hinter denen sich Motive verbergen, fördern die Objektpermanenz ebenfalls und bereiten Kindern große Freude.