Fremdeln
Als Fremdeln bezeichnet man die Phase, in der ein Baby beginnt, fremde Personen von vertrauten Bezugspersonen zu unterscheiden und auf Unbekannte mit Unsicherheit, Weinen oder Wegdrehen reagiert. Das Fremdeln setzt meist um den achten Lebensmonat ein und ist ein wichtiger, gesunder Entwicklungsschritt.
Was ist Fremdeln?
Fremdeln, oft auch „Achtmonatsangst" genannt, ist eine völlig normale Entwicklungsphase im Säuglingsalter. Das Baby hat gelernt, zwischen bekannten und unbekannten Gesichtern zu unterscheiden, und zeigt gegenüber Fremden Zurückhaltung oder Angst. Das Fremdeln ist ein Zeichen dafür, dass eine sichere Bindung zu den Bezugspersonen entstanden ist.
Wann beginnt das Fremdeln und wie lange dauert es?
Das Fremdeln beginnt meist zwischen dem sechsten und achten Lebensmonat, erreicht um den achten Monat seinen Höhepunkt und lässt im Laufe des zweiten Lebensjahres allmählich nach. Tempo und Stärke sind von Kind zu Kind sehr unterschiedlich: Manche Babys fremdeln stark und lange, andere kaum merklich.
Warum fremdeln Babys? Ursachen
Das Fremdeln ist eng mit der Bindungsentwicklung verknüpft. Das Baby kann nun Personen sicher wiedererkennen und merkt sofort, wenn jemand Fremdes auftaucht. Gleichzeitig fehlt ihm die Erfahrung, dass Fremde ungefährlich sind. Die Reaktion schützt das Kind und hält es in der Nähe seiner vertrauten Bindungsperson. Das Fremdeln ist außerdem eng mit der späteren Trennungsangst verwandt.
Fremdeln in der Kita und Eingewöhnung
Gerade bei der Eingewöhnung in Krippe oder Kindergarten spielt das Fremdeln eine große Rolle. Ein fremdelndes Kind braucht Zeit, um die neue Bezugserzieherin kennenzulernen. Ein Beispiel: Beim ersten Kita-Besuch klammert sich das Kind an die Mutter und beobachtet die Erzieherin aus sicherer Entfernung; erst nach einigen Tagen lässt es sich auf sie ein. Eine behutsame, schrittweise Eingewöhnung hilft dem Kind, Vertrauen aufzubauen.
Tipps für Eltern und Fachkräfte
Wichtig ist, das Fremdeln zu respektieren: Fremde sollten dem Kind Zeit lassen und sich nicht aufdrängen. Die vertraute Bezugsperson bleibt als „sicherer Hafen" in der Nähe. Geduld, feste Rituale und vertraute Gegenstände wie ein Kuscheltier geben dem Kind Sicherheit. Druck oder Zwang verstärken die Angst dagegen nur. Hält das Fremdeln ungewöhnlich lange und sehr stark an, kann ein Gespräch mit der Kinderärztin sinnvoll sein.