Theory of Mind bei Kindern

Theory of Mind bezeichnet die Fähigkeit von Kindern, zu verstehen, dass andere Menschen eigene Gedanken, Gefühle und Absichten haben. Ab etwa vier Jahren beginnt sich diese Fähigkeit zu zeigen: Kinder verstehen, dass ihre Mitmenschen etwas anderes wissen oder glauben können als sie selbst. Diese kognitive Fähigkeit ist für die soziale Entwicklung zentral, denn sie fördert Einfühlungsvermögen und Kommunikation. In der pädagogischen Praxis wird die Theory of Mind angeregt, indem Kinder über Perspektiven und Gefühle anderer nachdenken.

 

Entwicklungsstufen der Theory of Mind

Die Entwicklung der Theory of Mind verläuft in mehreren Phasen. Bereits Kleinkinder ab 18 Monaten zeigen erste Anzeichen, wenn sie beispielsweise auf etwas zeigen, um die Aufmerksamkeit anderer zu lenken. Im Alter von drei Jahren können Kinder unterschiedliche Wünsche und Vorlieben bei anderen erkennen. Der entscheidende Entwicklungsschritt erfolgt mit etwa vier Jahren: Kinder verstehen nun, dass andere Menschen falsche Überzeugungen haben können – ein Meilenstein in der kognitiven Entwicklung.

Diese Fähigkeit entwickelt sich nicht isoliert, sondern steht in enger Verbindung mit der emotionalen Kompetenz und den sozialen Kompetenzen des Kindes. Je besser ein Kind seine eigenen Gefühle erkennen und benennen kann, desto leichter fällt es ihm auch, die Emotionen anderer zu verstehen und darauf einzugehen.

Bedeutung für den Kita-Alltag

Eine gut entwickelte Theory of Mind hilft Kindern, Konflikte leichter zu lösen. Wenn ein Kind versteht, warum ein anderes Kind traurig oder wütend ist, kann es angemessener darauf reagieren. Pädagogische Fachkräfte unterstützen diese Entwicklung durch Gespräche, Rollenspiele und Bilderbuchgeschichten. So lernen Kinder, sich in andere hineinzuversetzen und soziale Situationen zu meistern.

Kinder mit einer ausgeprägten Theory of Mind zeigen häufig besseres Sozialverhalten: Sie teilen bereitwilliger, helfen anderen und können komplexere Freundschaften aufbauen. Auch für die Sprachentwicklung ist diese Fähigkeit bedeutsam, denn erfolgreiche Kommunikation setzt voraus, dass man versteht, was der Gesprächspartner weiß oder nicht weiß.

Praktische Beispiele im Kita-Alltag

  • Rollenspiele und Verkleidungen, bei denen Kinder in verschiedene Rollen schlüpfen, fördern das Hineinversetzen in andere Perspektiven.
  • Beim Bilderbuchlesen stellt die Fachkraft Fragen wie: „Warum ist die Figur wohl traurig?" – so lernen Kinder, die Gefühle anderer nachzuvollziehen.
  • Konflikte aufgreifen: Eine Erzieher:in bespricht mit den Kindern, was jede*r wollte oder fühlte. So verstehen alle die Motive der anderen besser und finden gemeinsam Lösungen.
  • Perspektivwechsel-Spiele: „Was würdest du denken, wenn du an ihrer Stelle wärst?" hilft Kindern, verschiedene Sichtweisen zu erkunden.